Was uns noch wichtig ist

Die Waldkinder

Die Brücke

Die Kinder standen vor der großen Brücke, die zum Weg in den Wald einlud. Auf einem hölzernen Schild stand: “Herzlich willkommen im Wald des Lebens!“

Die ersten Kinder marschierten vertrauend auf ihre Fähigkeiten in den Wald hinein, andere wiederum betraten sehr zaghaft, gar ängstlich den Waldboden, der weich und rutschig war. Und einige wieder waren neugierig und gespannt auf das, was ihnen der Wald des Lebens bescheren könnte, aber sie waren achtsam, und wohlüberlegt näherten sie sich dem Bevorstehenden.

Ihnen zur Seite standen die Begleiterinnen, die sie durch den Wald führten.

Der Wald war groß und mächtig. Am Tag konnte es sehr heiß und in der Nacht sehr kalt sein. Es gab viele Tiere und Pflanzen zu entdecken, und die Lehre bestand darin zu unterscheiden, welche gefährlich und welche harmlos waren.

Es gab im Laufe der Zeit viele Hindernisse zu überwinden, zu lernen von welchen Früchten man essen konnte und es gab Aufgaben, in denen man sich entscheiden musste, welchen Weg man nur mit den Anderen gemeinsam und welchen Weg man alleine gehen musste.

Jeder Tag war erfüllt von Freude und Trauer, Einsamkeit und Zweisamkeit, Zweifel und Stolz, Erfolg und Niederlage, Wunden und Trost, Spiel und Lernen, Staunen und Wissen, Erfahren und Wünschen. Die Kinder hatten einen langen Weg vor sich, von dem sie noch nicht erahnten, wohin er sie am Ende führen würde.

Aber die Neugierde am Entdecken und Ausprobieren, die Freude daran ihre Kräfte zu messen und sich mitzuteilen war es, was sie darin bestärkte, weiter durch den Wald zu gehen.

Und die Begleiterinnen unterstützten die Kinder. Sie ermutigten sie sich auszuprobieren, sie flüsterten ihnen hilfreiche Weisen ins Ohr, sie zeigten ihnen die versteckten Schönheiten des Waldes, sie lehrten sie das Feuermachen und das Flechten von Hüten zum Schutz vor der Sonne am Tage. Sie sangen, lachten und tanzten am Morgen und trösteten am Abend.

Doch sie mussten auch streng sein, wenn die Kinder unachtsam waren mit jungen Pflanzen und Tieren im Wald. Sie hatten auch Sorge zu tragen, dass sich kein Kind auf dem Weg zu weit von den Anderen entfernte oder sich im Wald verirrte.

Denn schien der Wald auch unendlich frei zu sein, so gab es für die Besucher Grenzen, die die Begleiterinnen sichtbar machen mussten. Sie stellten sich den Kindern in den Weg, wenn diese einen Weg wählten, der für die zu gefährlich war oder nicht geeignet schien, um an das Ende des Waldes zu gelangen. Die Begleiterinnen verstanden sich als Unterstützung der Kinder auf deren Weg, und sie wussten auch darum, dass sie nur für kurze Zeit an der Seite der Kinder gingen.

Und wenn das Ende des Waldes nahte, hatten die Kinder ein schweres Bündel, reich gefüllt mit Erfahrungen, Erlebnissen und Begegnungen.

Welche dieser Geschenke aus dem Wald die Kinder  für ihr weiteres Leben als Instrumente und Werkzeuge verstanden und benutzten, entschieden nun die Kinder selber.

Es war die Zeit gekommen, dass sich nun die Begleiterinnen von den Kindern verabschiedeten. Heimlich versteckten sie für jedes Kind in dessen Rucksack ein eigenes, geheimnisvolles Kraut, in der Hoffnung, die Kinder würden sich daran erinnern und es zu nutzen wissen.

Und als sie schließlich ihren Weg zurück zum Eingang des Waldes beschritten, sahen sie wie jedes Kind durch seine Hände fruchtbare Spuren im Wald hinterlassen hatte.